Wasser, das Leben schenkt
Satet ist in Budges Darstellung der in Elephantine verehrten Götter das weibliche Gegenstück zu Khnemu. Er nennt sie auch Sati und bezeichnet Anqet als ihre Schwestergöttin. Seine Darstellung weist ihr einen Anteil an dem Leben zu, das der Nil bringt: Sie gießt sein Wasser aus und verteilt es über das Land.
Budge verbindet ihren Namen mit einer Wurzel, die für das Ausgießen, das Ausstreuen von Saat und das Besprengen mit Wasser gebraucht wird. Daraus folgert er, dass sie zumindest während eines Zeitabschnitts als Göttin der Überschwemmung und der Fruchtbarkeit galt. Seine Beschreibung ihrer Tätigkeit ist knapp:
die die lebensspendenden Wasser des Nils ausgoss und über das Land verteilte, und als Göttin der Fruchtbarkeit. — E. A. Wallis Budge, Die Götter der Ägypter, Bd. 2, S. 55
Das Wasser spendet in dieser Darstellung Leben, und die Fruchtbarkeit gehört zu seiner Ausbreitung über das Land. Budges Erklärung macht den Namen zu einem Teil seiner Überlegungen zur Funktion der Göttin.
Bogen, Krone und Hörner
Dieselbe Göttin erscheint manchmal mit Bogen und Pfeilen. Budge betrachtet diese Waffen als Hinweis auf eine mögliche frühere Rolle bei der Jagd:
Manchmal trägt sie in den Händen einen Bogen und Pfeile, ein Umstand, der nahelegt, dass sie in ihrer frühesten Gestalt eine Göttin der Jagd war — E. A. Wallis Budge, Die Götter der Ägypter, Bd. 2, S. 55
Seine Formulierung lässt diesen Zusammenhang eine Vermutung bleiben. Die Waffen sind in seiner Darstellung ein beobachtetes Attribut; die früheste Rolle als Jagdgöttin ist seine Deutung dieser Waffen. Satets Krone und Hörner erhalten eine eigene Beschreibung:
Auf vielen Bildern der Göttin sehen wir sie mit der Krone des Südens und einem Paar Hörner — E. A. Wallis Budge, Die Götter der Ägypter, Bd. 2, S. 55
Das Wasser, die Waffen und der Kopfschmuck gehören somit zu unterschiedlichen Teilen von Budges Porträt. Bogen und Pfeile können neben den Attributen der Göttin erscheinen, die das Wasser des Nils ausgießt.
Vier Gefäße für den König
Budge zitiert auch einen Text Pepis I., in dem die Göttin unter der Namensform Sethat erscheint. Hier richtet sich ihre Handlung auf den König. Sie wäscht ihn mit Wasser, das in vier Gefäßen enthalten ist:
siehe, Sethat wäscht ihn mit dem Wasser, das in ihren vier Gefäßen ist — E. A. Wallis Budge, Die Götter der Ägypter, Bd. 2, S. 56, nach dem Text Pepis I.
Die Passage verortet diese Gefäße in Elephantine. Sie verbindet das Wasser der Göttin mit der Reinigung des Königs, während ihr Tempel ihr einen bestimmten Platz in der von Budge beschriebenen religiösen Geographie gibt. Elephantine ist sowohl der Ort, an dem sie gemeinsam mit Khnemu verehrt wird, als auch der Schauplatz dieses Dienstes an Pepi.
Budges beide Wasserpassagen haben unterschiedliche Empfänger. In der einen verteilt Satet lebensspendendes Wasser über das Land; in der anderen wäscht Sethat einen namentlich genannten König. Zusammen beschreiben sie die Göttin durch Handlungen, die nähren und reinigen.