Vali besteht zu einem einzigen Zweck. Nachdem der blinde Hödur Balder mit Lokis Mistel erschlagen hat, zeugt Odin mit Rind eigens einen Sohn, der die Rache vollziehen soll, die den übrigen Göttern verwehrt ist — und das Kind tut es sogleich, in einem Alter, das sich in Stunden bemisst.
Baldrs bróðir var of borinn snemma, sá nam Óðins sonr einnættr vega
„Doch Balders Bruder ward bald geboren, / und eine Nacht alt kämpfte Odins Sohn.” — Völuspá 33; engl. Übers. Bellows
Die folgende Strophe ist die denkwürdige: Er wusch sich die Hände nicht und kämmte sein Haar nicht, ehe er Balders Mörder auf den Scheiterhaufen trug. Beides waren Dinge, auf die ein nordischer Rächer verzichten sollte, bis die Schuld beglichen war; die Einzelheit ist also keine Nachlässigkeit, sondern eine förmliche Erklärung, dass nichts dazwischentreten durfte — keine Nacht, keine Waschung. Snorri gewährt ihm unter den Asen einen eigenen kurzen Eintrag, nennt ihn Áli oder Vali, Sohn Odins und der Rind, „kühn im Kampf und ein überaus glücklicher Schütze”, und vermerkt, dass er den Ragnarök zusammen mit seinem Bruder Vidar überlebt und die Welt danach bewohnt.
Eine Warnung zum Namen: Es gibt einen zweiten, ganz anderen Vali, einen Sohn Lokis. Als die Götter Loki endlich fesseln, verwandeln sie diesen Vali in einen Wolf, und er zerreißt seinen Bruder Narfi; mit Narfis Gedärmen wird Loki gebunden. Die beiden haben außer dem Namen nichts gemein, und die Quellen verwechseln sie nicht — moderne Nacherzählungen dagegen oft.