Balder ist der zweite Sohn Odins und Friggs, und Snorri beschreibt ihn fast ausschließlich in Superlativen — der Beste, der Schönste, der Gnädigste, so leuchtend, dass Licht von seinem Leib ausgeht. Er wohnt in Breidablik, „Weitglanz”, einer Halle, in die nichts Unreines gelangen darf, und er ist der weiseste und beredteste der Asen; die einzige Einschränkung, die Snorri anfügt, ist, dass keines seiner Urteile Bestand haben kann — eine seltsame und viel erörterte Bemerkung, mit der das Lob endet.
Annarr sonr Óðins er Baldr, ok er frá honum gott at segja. Hann er beztr, ok hann lofa allir. Hann er svá fagr álitum ok bjartr, svá at lýsir af honum, ok eitt gras er svá hvítt, at jafnat er til Baldrs brár. Þat er allra grasa hvítast
„Der zweite Sohn Odins ist Balder, und von ihm ist Gutes zu sagen. Er ist der Beste, und alle preisen ihn; er ist so schön von Angesicht und so hell, dass Licht von ihm ausgeht. Ein gewisses Kraut ist so weiß, dass man es mit Balders Braue vergleicht; von allen Gräsern ist es das weißeste.” — Snorri Sturluson, Gylfaginning 22; engl. Übers. Brodeur
Er beginnt von seinem eigenen Tod zu träumen, und Frigg durchzieht die Welt und nimmt jedem Ding darin — Feuer, Wasser, Metall, Stein, Krankheit, Tieren, Bäumen — den Eid ab, ihm nicht zu schaden. Der Eid hält so vollkommen, dass daraus ein Spiel wird: Die Götter werfen in der Versammlung Waffen nach Balder und sehen zu, wie sie ihn nicht verletzen wollen. Loki erfährt von Frigg, dass sie einen Mistelschössling westlich von Walhall übergangen hat, weil er ihr zu jung zum Schwören schien; er holt ihn, gibt ihn dem blinden Hödur in die Hand und lenkt den Wurf. Er fährt durch Balder hindurch, und der fällt.
Was folgt, ist die trostloseste Abfolge der ganzen Mythologie. Hermod reitet neun Nächte hinab zu Hel, die ihn freizugeben verspricht, wenn alles auf der Welt um ihn weint — und alles weint, außer einer Riesin in einer Höhle, die sich weigert und die man allgemein für Loki hält. Also bleibt Balder unten. Man verbrennt ihn auf seinem eigenen Schiff samt Nanna, die neben ihm vor Kummer stirbt, und Odin flüstert ihm auf dem Scheiterhaufen etwas ins Ohr, das nie jemand hat wiedergewinnen können. Der einzige Trost liegt ganz am Ende: Nach dem Ragnarök lässt die Völuspá ihn in das aufgestiegene Land zurückkehren und sich mit Hödur in den wiedererrichteten Hallen niederlassen — die Fehde beigelegt.