Loki ist von Geburt ein Riese, Sohn von Fárbauti und Laufey, doch lebt er unter den Asen als Odins Blutsbruder und einer ihrer nützlichsten, wenn auch gefährlichsten Gefährten. Klug, gestaltwandelnd und eher amoralisch als schlichtweg böse, löst er die Probleme der Götter ebenso oft, wie er sie verursacht — einst verwandelte er sich in eine Stute, um den Hengst eines Riesen fortzulocken, und gebar in dieser Gestalt Odins Pferd Sleipnir. Doch sein Unfug schlägt ins Bösartige um: Verkleidet verleitet er den blinden Gott Hödur dazu, Baldur mit einem Mistelzweig zu töten, dem einzigen Ding in der Schöpfung, das geschworen hatte, ihm nichts anzutun.
Dafür binden die Götter Loki mit den Eingeweiden seines eigenen Sohnes an einen Felsen und setzen eine Schlange über ihn, die ihm Gift ins Gesicht träufelt; seine Frau Sigyn fängt auf, was sie kann, in einer Schale, und wenn sie diese leert, erschüttert Lokis Zucken die Erde. Mit der Riesin Angrboda hatte er bereits zuvor drei Ungeheuer gezeugt — den Wolf Fenrir, die Schlange Jörmungandr und Hel —, die jeweils ihre Rolle im Untergang der Welt spielen werden.
Loki á orrostu við Heimdall, ok verðr hvárr annars bani
“Loki wird mit Heimdall kämpfen, und ein jeder wird der Totschläger des anderen sein.” — Gylfaginning 51, übers. Brodeur
Bei Ragnarök reißt sich Loki los, führt ein Schiff der Toten an und begegnet Heimdall in dem längst geweissagten gegenseitigen Untergang.