Hebe ist das griechische Wort für die Blüte der Jugend — das Alter, in dem ein Junge wehrpflichtig wird — als Person. Sie ist die Tochter von Zeus und Hera und die einzige eheliche, die auf dem Olymp ein Amt bekleidet. Ihr Amt ist das Einschenken.
Homer eröffnet das vierte Buch der Ilias damit, dass sie es tut, und die Platzierung zählt: Die Götter sind im Begriff zu entscheiden, ob Troja fällt, und die Szene wird mit einem Mädchen aufgebaut, das Becher füllt.
Οἳ δὲ θεοὶ πὰρ Ζηνὶ καθήμενοι ἠγορόωντο χρυσέῳ ἐν δαπέδῳ, μετὰ δέ σφισι πότνια Ἥβη νέκταρ ἐοινοχόει
„Die Götter aber, zur Seite des Zeus sitzend, hielten Rat auf goldenem Boden, und in ihrer Mitte schenkte die hehre Hebe ihnen Nektar ein.“ — Homer, Ilias 4,1–3, übers. A. T. Murray
Man liest das leicht als Dekoration, und das ist es nicht. Nektar ist das, was die Götter unsterblich macht; wer einschenkt, verwaltet die Unsterblichkeit, täglich und von Hand. Hebe serviert weniger ein Getränk, als dass sie den Mechanismus bedient, von dem das ganze Pantheon abhängt. Später wird sie in dieser Rolle von Ganymed abgelöst, einem trojanischen Jungen, den Zeus raubt — eine Ablösung, die keine Quelle erklärt und die unangenehm nach Degradierung aussieht.
Ihre zweite Funktion ist es, der Preis zu sein. Als Herakles seine Arbeiten vollendet hat und aus seinem sterblichen Leib herausgebrannt ist, kommt er auf den Olymp und wird mit Hebe verheiratet. Hesiod verbucht es in der Sprache einer Abrechnung: Er hat seine großen Werke vollbracht und lebt nun unbeschwert und alterslos. Sie ist, wie „alterslos“ aussieht, wenn man ihm ein Gesicht und eine Hochzeit gibt. Die Ehe legt außerdem die längste Fehde des Pantheons bei — Hera hat Herakles’ ganzes Leben lang versucht, ihn umzubringen, und der Friedensvertrag ist ihre eigene Tochter.
Diese Kombination macht sie seltsamer, als sie zunächst wirkt. Jugend ist im griechischen Denken genau das, was nicht bleibt; sie zu vergöttlichen ergibt eine Göttin, deren ganzer Inhalt ein Zustand ist, den alle anderen gerade verlieren. Man vergleiche die chinesische Lösung, wo dieselbe Angst als Pharmakologie statt als Personifikation behandelt wird: Xiwangmu hütet die Pfirsiche der Unsterblichkeit, Chang’e schluckt das Elixier, und die Substanz ist die Geschichte. Griechenland machte daraus ein Mädchen mit einem Krug und verheiratete es dann an den einen Sterblichen, der sich einen Anteil verdient hatte.